Wandel der Heiratsbräuche in den letzten 100 Jahren
Der langjährige Vorsitzende des Heimatvereins Dinklage, Paul Arlinghaus, berichtete den Besuchern unterstützt vom jetzigen Heimatvereinsvorsitzenden Christian Martin, vom Wandel der Heiratsbräuche im Oldenburger Münsterland. Die in einer einmaligen Videoshow zusammengestellten Hochzeitsfotos Dinklager Hochzeiten untermauerten seine Ausführungen.
Um die Jahrtausendwende zum 20sten Jahrhundert wandelte sich die Farbe des Brautkleides vom schwarz auf weiß. Den genauen Zeitpunkt und den Anlass konnte Paul Arlinghaus nicht nennen. Aber der Ablauf der Familienfeier blieb erhalten. Alles begann mit der Verlobungsfeier und den ersten gemeinsamen Fotos zweier Familien. Später überbrachten zylindertragende Hochzeitsbitter auf bunt geschmückten Fahrrädern persönlich die gesungene Einladung der Brautleute an die Hochzeitsgäste.
v. l. Hans Hoymann, Waltraud Putthoff-Posledni, Paul Arlinghaus, Christian Martin, Helmut Hüttig, Marianne Albers, Hermann Nordmann, Gisbert DödtmannDie dann folgenden Feiern gestalteten die beiden Familien und die Nachbarn. Diese begannen mit dem Grünholen und dem Blumenbinden vor dem Kränzchen. Mit einem Umzug wurde der fertige Kranz zum Hochzeitshaus gebracht und über der Türschwelle befestigt. Während der Zeremonie und des Vorlesens des Hochzeitspruchs wurde reichlich Schnaps und Eierlikör eingeschenkt. Man munkelt oft aus eigener Produktion. Danach folgte die schlichte standesamtliche Trauung.
Am Tage der Hochzeit böllerten die Nachbarn mit Karbid oder Schwarzpulver. Die Braut schmückte sich erstmals mit dem geschneiderten Brautkleid und einem Schleier. Der Bräutigam trug Frack und Zylinder. Zur Kirche ging die Hochzeitsgesellschaft zu Fuß oder fuhr mit geschmückten Kutschen vor. Nach der Trauung bildeten die Nachbarn/Vereine vor der Kirchentür ein Spalier und die Brautleute bedankten sich mit Süßigkeiten.
Die Nachbarfrauen kochten und backten währenddessen für die Hochzeitsgesellschaft. Gegessen wurde auf der Diele (oder in einem Gasthaus). Nach dem Mahl verewigte sich die gesamte Hochzeitsgesellschaft auf einem Gruppenfoto. Am Abend spielten örtlich bekannte Musiker aus der Nachbarschaft zum Tanz auf. Die Pausen gestalteten Nachbarn und Freunde mit Spielen und Liedvorträgen.
Für den bebilderten Vortrag und die kurzweiligen Erläuterungen bedankten sich die Mitglieder der Senioren-Union und die Gäste mit einem herzlichen Applaus bei Paul Arlinghaus und Christian Martin.
Text und Fotos: Hans Hoymann